Der Schrei

Ins rollen gebracht hat das Ganze tatsächlich meine Langeweile. Wir hatten Besuch, meine Schwiegermutter. Meine Frau und sie wollten etwas Zeit zusammen verbringen, also lies ich sie alleine und verkroch mich vors Laptop. Ich stöberte ein wenig durch meine Festplatte, nach einem Foto mit Potenzial. Da ich zu 95% in RAW fotografiere, habe ich auch dem entsprechend unglaublich viele Raw Dateien. Beim Durchstöbern fand ich ein Bild von unserer Pension in Limone (Gardasee). Wir waren letzten Sommer dort für ein Wochenende. Ist nur 4 Stunden von uns entfernt. Ich hab da einfach mal unser Zimmer fotografiert. Als Motiv nahm ich den Sekretär/Schminktisch. Sah irgend wie so OldSchool aus. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt nichts grossartiges vor, das Bild war mehr oder weniger ein Schnappschuss und deswegen habe ich nicht so darauf geachtet was da überall so rumliegt. Auf dem Tisch lag unter anderem eine Quittung, ein Deo, eine Handtasche, eine Plastiktüte und noch paar andere Sachen. Ich sah die Herausforderung und fing an, an dem Bild herum zu experimentieren. 

 Bild 1

Natürlich war die Farbtemperatur zu warm. Die musste ich erst ändern und neutralisieren. Zusätzlich mussten ja die ganzen Objekte von dem Tisch weg. Dann war da ja noch der Gurt an der Wand für die Jalousien. Es ging weiter, die Spiegelung im Spiegel war furchtbar, dann noch die Fernbedienung von der Klimaanlage. Manches bekam ich relativ einfach weg. Andere Gegenstände dafür eher nicht. Zum Beispiel die Tüte. Die bekam ich nicht weg, hab vieles versucht aber ohne Erfolg. Manche dinge bekam ich nur sehr schwer weg, zum Beispiel die Schubladen auf dem Tisch. Davor war ein Schlüsselbund und ein Deo, ich musste die Schublade neu konstruieren. Das war sehr aufwendig, aber dank Photoshop nicht unmöglich. Manche teile der Spiegelung im Spiegel, hatte es auch in sich. So langsam musste ich mir Gedanken machen, in welche Richtung ich mit dem Bild gehen möchte. Etwas nachdenkliches, Urlaubsfeeling, eine Zeitreise.. oder etwas Gruseliges? Bevor ich mich festlegte, fing ich an mich mit den dingen zu beschäftigen die aus dem Bild raus mussten, und die Teile die nicht raus konnten, mussten retuschiert werden. 

Bild 2

Der Spiegel, der muss entweder ganz weg oder ein anderes Bild musste rein. Tausend Ideen gingen mir durch den Kopf. Plötzlich wurde mir klar was ich wollte, ich sah das fertige Bild vor meinem inneren Auge. Aber das erfahrt ihr nächste Woche, da kommt ein Blog Beitrag hier zu, bis dahin kann ich nur eines verraten, der nächste Schritt  war den Spiegel  auszuschneiden, schwarz zu lassen und einwenig die Farben drum herum zu sättigen. Nach mehreren missglückten Versuchen die Tüte weg zu bekommen, fing ich an sie so zu bearbeiten, dass sie nicht mehr so im Mittelpunkt stand. Ich hab die Sättigung und Klarheit reduziert, mit dem „Dunst“ Regler gespielt und die Helligkeit verändert. Jetzt ist die Tüte nicht mehr so dominant im Bild. Ich sag´s euch, hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich die scheiss Tüte da eifach weggenommen 😉

Bild 3

Als nächstes waren die Wände an der Reihe. Mein Ziel war es den Blick der Betrachter gezielt auf eine Stelle zu lenken. Und zwar zum Tisch und zum Spiegel. Aus diesem Grund entsättigte ich die Wände ein wenig, damit der Kotrast zwischen Licht und Schatten deutlicher wird. So wirkt es noch dramatischer und harmoniert besser mit dem was ich dann noch vorhabe mit dem Bild. Aber dazu mehr nächste Woche. Die die mir auf Instagram folgen kennen das fertige Produkt schon. Für neugierige: intargram.com/apgrafie

Bild 4

Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff, die Angst, überall soll sie zu sehen sein. Wenn man das Bild sieht, soll man das Gefühl bekommen, als sei das was man sieht, das letzte was man sehen wird. Deswegen habe ich eine manuelle teil Vignettierung  durchgeführt, was soviel heisst wie, die Ränder abgedunkelt. Das sieht dann so aus als würde etwas diesen Raum in das Dunkle ziehen. Ja, ich hab eine etwas merkwürdige Fantasie 🙂 das ist wirklich ein Fall von „aus Spass wurde Ernst“. Ich wollte ursprünglich nur etwas die Zeit vertreiben.

Bild 5

Bild 6

Damit ihr seht, wie viel Arbeit hinter so einem Bild ist hab ich dieses Foto noch reingestellt. Ich hab teilweise einzelne Felder separat bearbeitet wie zum Beispiel das äussere Tischbein. Manche Stellen mussten separat bearbeitet werden, damit ein gewisser Effekt entstehen kann. Mit der normalen Maus wäre das auch möglich, klar. Ich hab mir aber vor einiger Zeit ein Grafikpad von Wacom geholt, und zwar die einfachste Version, die „Intus Draw“ für 69,95€. Ich muss sagen, dass man damit einfach viel genauer zeichnen kann. Ist super einfach. Am Anfang ist es sehr gewöhnungsbedürftig. Zum Beispiel bewegt man den Mauszeiger auf dem Bildschirm von links nach rechts mit nur einer kleinen Bewegung mit der Maus auf dem Mauspad. Mit dem Grafikpad ist es anders, du musst wirklich ganz rübergehen wenn du auf dem Bildschirm zum Beispiel ganz nach rechts gehen willst. Dadurch wird deine Bewegung genauer und du kannst viel feinere Linien Zeichnen. Wie gesagt ist es auch mit der Maus möglich komplexere Zeichnungen mit PhotoShop zu machen, mit einem Grafikpad ist es nur einfacher. Ich hoffe euch hat der kleine Ausflug hier gefallen. Mich würde sehr interessieren was ihr darüber denkt bzw. wie ihr dieses Bild bearbeitet hättet. Nächste Woche kommt der zweite Teil raus. Bis dahin wünsche ich euch viel Spass auf meinem Blog 🙂

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Ardalan Paymardi

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