MacGyver

Ursprünglich wurde die Wand gegenüber des Raumes in dem Spiegel widergespiegelt. Also blieb mir nur eines übrig: ein schwarzer Hintergrund. Der Spiegel war nun leer, also musste irgendwas rein. Mir schoßen plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf was ich alles so in den Spiegel rein setzten konnte. Flammen, Vasen, Tiere, irgendwas surreales. Dann fand ich ein Bild von mir, schwarzweiss aufgenommen mit dem iPhone. Ich importierte es und setzte es rein. War dann doch nicht das richtige. Der Gedanke ein Bild von mir zu verwenden gefiel mir. Also fing ich an über alternativen nachzudenken. Irgend wann beim Duschen kam mir der Gedanke irgend was mit „Hölle“ oder Teufel.. so in der Richtung zu machen. Dann musste ich an die Szenen in manchen Gruselfilmen denken, da wo dann einer in den Untergrund/Höllen-Strudel hinein gezogen wird und der dabei so verzerrt aussieht. Und so ist die Bildidee entstanden. Geboren und bereit zu wachsen, nur wäre ein Studio jetzt perfekt. 

Problem Nummer eins: Ich hab kein Studio.

Problem Nummer zwei: Ich kenn auch keinen der ein Studio hat.

Und jetzt ein Studio zu mieten, für ein paar „Versuche“ kam auch nicht in Frage. Also schaute ich einfach mal was bei mir alles so rumliegt. Meine Frau hatte mal vor ein paar Monaten von Kaufland Stofftischdecken in Grau in einer Rolle gekauft. Man muss sich das so vorstellen wie eine Küchenrolle oder Toilettenpapier. Man nimmt das was man braucht und reisst es einfach ab. Praktisch und sehr günstig, für 5€! Eine ganze fette Rolle! Meine Frau kaufte das für unseren Tisch auf der Terrasse. Was übrig blieb hab ich aufbewahrt weil ich wusste, das ich das irgendwann mal gebrauchen könnte. Und so war es auch. Der Stoff ist nicht zu dünn, ist etwas kräftiger. Stoff kann man eigentlich auch nicht sagen, es fühlt sich eher an wie ein Taschentuch, nur dicker. Sehr praktisch. Mir fehlte jetzt nur noch ein Hintergrundsystem. Auch das war kein Problem. Ich hatte eine Leiter im Zimmer stehen und meine Ringleuchte. Jetzt nur noch 1+1 zusammen zählen und ich hatte plötzlich ein Hintergrundsystem + Hintergrund 🙂 

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Wie geil ist das denn? Zurück zu der Bildidee von jemanden der in einem Strudel hinein gezogen wird, und das gegen seinen Willen. Jeder kennt solche Szenen in Filmen. Diesmal war ich selbst das Model und Fotograf und Assistent. Um jetzt noch die Stimmung zu kreieren muss das Licht-Setup passen. Das ist gar nicht so schwer, stell dir einfach die Szene aus irgend einem Film oder Zeichentrickfilm vor, wie einer gerade in so einen Strudel nach unten gezogen wird. Das Licht kommt immer von unten. Das ist ja quasi ein Fenster in das die Person hinein gezogen wird. Also muss auch hier das Licht irgendwie von unten kommen. Hier kannst du nun eine Taschenlampe verwenden oder in meinem Fall einen Blitz. Ich hatte den Blitz auf 1/32 eingestellt (sehr schwach) und ihn auf 4 Bücher vor mir auf den Boden hingestellt, so dass der Strahl zu meinem Gesicht zeigt. Ich fotografierte mit der 70D und Tonika 11-16 auf 16 Millimeter. Die Kamera hatte ich auf Selbstauslöser 2 Sekunden eingestellt und eine Fernbedienung halt auch in meiner Hand. Es musste von oben fotografiert werden, also positionierte ich das Stativ so, dass ich von unten, sitzend meine Hand noch komplett Richtung Objektiv ausstrecken konnte, ohne die Kamera oder die Linse zu berühren. Zuerst habe ich alle Lichter angemacht und das Objektiv auf Automatik eingestellt, mich so positioniert wie später das Bild dann auch aussehen soll und fokussiert. Dann hab ich auf manuel umgestellt, damit die Kamera später im Dunkeln nicht mehr nach dem Fokus suchen muss. Und wieder alle Lichter aus, den Raum so gut wie es ging abgedunkelt mich fertig gemacht, posiert und die Fernbedienung gedrückt. Nach ca 15 Aufnahmen, hat es dann die letzte Aufnahme geschafft. Ich hab mir Mühe gegeben richtig verzweifelt auszusehen, eben so als würde ich gleich in etwas böses hinein gezogen werden.


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Ich war zuhause, deswegen die Pyjamahose. Nicht lachen, die ist sehr bequem! 🙂 Das Ergebnis aber war genau so, wie ich es wollte. Lichter und Schatten waren da wo sie sein sollten, damit man später in der Nachbearbeitung die Effekte nur noch zu verstärken braucht. Die Basis wurde quasi erschaffen, das war mir wichtig. Nun muss alles noch zurecht geschnitten werden, denn niemand kommt in die Hölle mit seiner bequemen Pyjamahose 😉 


2

Auf dem Bild oben ist noch die Hose zu sehen. Das Bild hat auch noch zusätzlich eine kalte Farbtemperatur. Beides muss geändert werden. Der Schnitt darf aber nicht zu heftig sein, das bedeutet es soll weich aussehen, so als würde man sich langsam in Luft auflösen, wie wenn man in einem schwarzen Loch versinken würde. Zusätzlich muss die Farbtemperatur angepasst also noch wärmer gemacht werden damit wieder eine Basis für weitere Bearbeitungen entsteht.

3

Jetzt kann man anfangen an den Details zu arbeiten. Angst oder das Böse muss nicht immer automatisch mit wärme verbunden sein. In diesem Fall aber ist es damit verbunden. Deswegen habe ich die Temperatur noch etwas verändert. Ich arbeite sehr gerne mit den Reglern „Dunst“ und „Klarheit“, mit den kann man tolle Stimmungen kreieren. Auf dem Bild hier zum Beispiel sieht man das Licht um meine Hand herum, als würde die Kraft die mich nach unten zieht, Raum und Zeit beeinflussen. Wie ihr auf dem Bild gut erkennen könnt, kommt das Licht von unten. Es wirft tolle Schatten in meinem Gesicht, unterhalb meiner Wangenknochen und der meiner Augenbrauen, somit wirkt das alles noch etwas „erschreckender“. Würde das Licht von oben kommen, würde ich dann aussehen wie das Böse selbst. Da ich wie erwähnt die Situation im Bild nicht beeinflussen kann, weil ich hinunter gezogen werde, passt ein Licht von unten besser ins Bild und unterstreicht zudem die Stimmung.

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Wenn man in Photoshop jetzt in schwarz/weiss wechselt, hat man noch tolle Möglichkeiten die Stimmung noch leicht zu färben,mit einem Rotstich oder auch in Sepia, viele Optionen sind da geboten. Ich fand schwarz/weiss sehr schön, passend aber auf die gesamte Bildstimmung war die rötliche Tönung. Etliche Tönungen sind möglich, hier ist nun der eigene Geschmack gefragt. Hier ist ein Beispiel in schwarz/weiss.

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Wie bereits erwähnt werde ich ja in einen Strudel hinein gezogen, und auch da kann man viel von Filmen abgucken. Ich habe versucht diesen Effekt nachzumachen. In Photoshop gibt es auch den passenden Filter dafür. Mein Ziel war es, das Bild so real wie möglich aussehen zu lassen. Deswegen entschied ich mich für eine leichte Verzerrung. Aber auch das ist ein Faktor, das von dem eigenen Geschmack beeinflusst wird. Meiner sieht so aus:

6

Ich hoffe die kleine Reise zu der Entstehung von dem Bild hier hat euch gefallen. Ich würde mich über Kommentare oder ähnliche Kreationen von euch sehr freuen. Es gibt noch ein Blog-Eintrag davor, wo ich über den Hintergrund schreibe. Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen 🙂

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Ardalan Paymardi

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